Unter Durchbrüchen werden im Bauwesen Öffnungen bzw. Ausnehmungen in Wänden und Geschossdecken zur Durchführung von Leitungen verstanden. Der Planung dieser 'Bauteile', die im physikalischen Sinn ja eigentlich keine Bauteile, sondern lediglich Freiräume sind, kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, weil sie zu den abstimmungsintensivsten Komponenten zwischen den am Bauwesen beteiligten Fachbereichen zählen.
Dieser Prozessstandard beschreibt die Planungsprozesse und Festlegung von Verantwortlichkeiten, die bei der Positionierung von Durchbrüchen in einem Modell erforderlich sind.
Vordergründig wird dabei auf die in der BIM-Arbeitsweise allgegenwärtige Problematik eingegangen, wer zu welchem Zeitpunkt diese Elemente im Modell erstellt.
Suchbegriffe: Durchbruch, Schlitz, Öffnung, Ausschnitt, Loch, Löcher, Loecher, Durchbrueche, Oeffnungen, BD, WD, DD, S+D, SundD
Beispiel:
Bei einem Gebäude werden für die Ver- und Entsorgung von Sanitäreinrichtungen Durchbrüche erforderlich.
Durchbrüche sollen erstmals von einem TGA-Mitarbeiter im BAU-Modell platziert und richtig positioniert werden, da die Bauangaben ebenfalls von der TGA kommen. Für die Freigabe und endgültige Positionierung sind letzten Endes allerdings alle Fachbereiche gemeinschaftlich verantwortlich.
ATP: Durchbrüche sind von der TGA abgesetzt und von BAU (ARCH TWP) freigegeben und beschriftet (weitere Information über Durchbruchsbeschriftungen finden sie hier unter Einreichung- Revit Pro). Durchbrüche werden immer in der Ansicht "120_FBOK_Koord_Durchbruch" platziert und eingearbeitet.
Ab der Vorplanungsphase werden die, entsprechend der Gebäudeanforderung, definierten Funktionen der Räume bzw. die Raumgrößen für Zentralen festgelegt und in das Modell eingearbeitet.
Anhand dieser Informationen kann die TGA in weiterer folge ihre Konzepte überlegen.
Diese Überlegungen werden dann als Grundlage für die Durchbruchsplatzierung herangezogen.
Vorentwurf
In der Vorentwurfsphase werden noch keine Durchbrüche gesetzt.
Dieser Workflow beschreibt den Informationsfindungsprozess dieser Phase.
AS.1 BAU Angaben: Projektumfang, Raumprogramm, Flächenliste --> siehe HKLS
AS.2 TGA Angaben werden aus den BAU Angaben ermittelt:
- Zentralengröße
- Schächte (Lage, Dimension)
- Hauptversorgungswege
- Heizung
- Lüftung
- Sanitär
- Elektro
AS.3 abgestimmte Lage und Dimension für:
- Hauptschächte
- Hauptkanäle
- Öffnungen in der Gebäudehülle
- Zentralengröße und Position
- TGA-Bauteile
AS.4 Umsetzung: Schächte und Öffnungen in der Hülle werden lt. den Ergebnissen von AS.3 vom BAU-Team erstellt.
AS.5 Umsetzung: Die in AS.3 besprochenen Bauteile werden erstellt und mit dem BAU-Modell abgeglichen.
AS.6 Erfolgen bis zum Ende dieser Phase weitere bauliche Änderungen, ist der Abstimmungsprozess von Neuem anzustoßen.
Zwischenergebnis
BAU-Modell
- Zentralen (Haustechnik-Räume) haben die richtige Größe und Nutzung
- Hauptschächte sind im Modell erstellt
TGA-Modell
- Haupttrassen sind nach den Gebäudeerfordernissen erstellt
- TGA-Bauteile sind erstellt worden
Entwurf
In der Entwurfsphase werden aus den abgestimmten Informationen die statisch relevanten Durchbrüche erstellt.
Diese Bauangaben werden am Anfang der Entwurfsplanung für die statischen Bemessungen der Tragkonstruktionen benötigt:
- Wanddurchbrüche
- Deckendurchbrüche
- Gewicht + Lage der Geräte
- Gewicht + Lage der Leitungen
- Fundamente für Geräte z.B.: Sockel
- Angaben zu Photovoltaik Anlagen
- Befestigungen der Leitungen am Trapezblech / Stütze / Träger etc.
- Einlegeteile im Rohbau
Dieser Workflow beschreibt die Arbeitsaufteilung und den Freigabeprozess dieser Phase.
AS.1 Durch die HKLS ist das gesamte Rohr und Kanalnetz zu erstellen.
AS.2 Abstimmung: In einer ersten Besprechung sind die statisch relevanten Durchbrüche entlang des Rohr-/Kanalnetzes zu besprechen.
AS.3 Umsetzung: Das Rohr-/Kanalnetz ist lt. AS.2 abzuändern bzw. die Durchbrüche im BAU-Modell zu setzen.
AS.4 Freigabe: Alle Fachbereiche prüfen, ob die Durchbrüche wie in AS.2 besprochen, gesetzt wurden.
AS.5 Änderungen sind in koordinierter Absprache zwischen den Fachbereichen zu treffen. Ist eine Änderung abgeschlossen, dann wird AS.4 wieder angestoßen.
AS.6 Die Modelle der Fachbereiche sind zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.
Ergebnis
BAU-Modell:
- Statisch relevante Durchbrüche
HKLS-Modell:
- vollständiges Rohr-/Kanalnetz
Ausführung
In der anschließenden Ausführungsphase werden alle noch fehlenden Durchbrüche ergänzt und die bereits platzierten geprüft bzw. (bedingt durch die fortschreitende Planung) korrigiert.
Dieser Workflow beschreibt die Arbeitsaufteilung, den Freigabeprozess so wie die Änderungen an den Bauteilen in der Ausführungsphase.
AS.1 Planungsänderungen sind allen Beteiligten zu kommunizieren und dokumentieren, z.B. in Planungsbespechungen. Zur Unterstützung bietet sich das BCF-Format an.
AS.2 Freigaben: Die Koordination aller Änderungen wird mit der Freigabe aller Fachbereiche abgeschlossen.
AS.3 Kollisionsprüfung: Bevor Modelle an externe Planer weiter gegeben werden, sollten diese auf Kollisionen geprüft werden. (siehe Modellübergabe extern)
BAU-Modell
Alle erforderlichen Durchbrüche sind vorhanden und mit allen Fachbereichen koordiniert.
